Eine runde Geschichte. Oder zwei.

Judith Stapf|

geige_unsplash

3.4.16, Gasteig in München: Itzhak Perlman’s Abschiedskonzert in Europa. Er spielt die Titelmelodie von „Schindlers Liste“.

Es war ein Mal ein jüdischer Junge mit einer Geige.
Er sollte berühmt werden und der Geschichte von Schindlers Liste mit seiner Musik Leben einhauchen.
Ist das nicht ironisch? -Leben. Ausgerechnet.


Ich mag runde Geschichten. 
Rund wie eine Kugel. Der Geiger hat ihr einen Schubs gegeben, so, dass sie in eine neue Geschichte rollen, sich verselbständigen konnte.
 
Die Geschichte. Nur eine Melodie.
 
Die Melodie, mit der für mich alles begann, steht hier wie ein Schlusswort im Raum.
Der jüdische Junge ist jetzt ein alter Mann.
Im Scheinwerferlicht erzählt er 2000 Menschen eine Geschichte.

Für mich ist es meine Geschichte.
Die Kugel beginnt, sich erneut zu drehen.
 
Vor meinem inneren Auge sehe ich -wie in einem Film, der zurück gespult wird- Erinnerungen vorüber ziehen.
Im Zeitraffer werden
Tränen vergossen,
wird Abschied genommen,
erzählt, gefühlt, verstanden ;

ich sehe den Baum, unter dem wir Espresso getrunken haben, als wir uns zum ersten Mal getroffen haben.
 
Immer schneller dreht sich die Kugel.
Am Ende ist der Anfang. Rund:

Es war einmal ein jüdischer Junge mit einer Geige.
Applaus.

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